Archiv der Erschöpfung

von Sascha Hargesheimer

Eine Familie beim Abendessen. Vater, Mutter, Sohn. Plötzlich klingelt es, Oma kommt herein, leichenblass. Sie ist mit dem Auto über einen Hubbel gefahren. Bestimmt ein Tier, bestimmt. Alte Konflikte brechen auf. Schließlich fährt die Familie zu dem vermeintlichen Unfallort zurück. Doch anstatt eines Kadavers finden sie eine aufgebrochene Fahrbahn. Erleichterung. Schnitt. Ein Bürgermeister verzweifelt, als er von einem Gutachter bittere Wahrheiten über seine Stadt erfährt. Schnitt. Ein Autor hat eine Schreibblockade und fährt in seine Heimatstadt zurück. Schnitt. Ein Junge ist in eine Schlägerei zwischen Linken und Rechten geraten und liegt schwerverletzt im Krankenhaus, wo ihn der Autor, sein Bruder, besucht. Die Welt ist porös geworden. Gewissheiten brechen ein. Und der Boden unter den Füßen auch.
Die Apokalypse als handfeste Erscheinung unserer Gegenwart: Sascha Hargesheimers brisanter Text, der nicht nur den zweiten Preis beim 2013 erstmals verliehenen Osnabrücker Dramatikerpeis gewann, sondern auch für die Autorentheatertage 2015 am Deutschen Theater Berlin ausgewählt wurde, nimmt ein reales Ereignis zum Anlass, Geschichten von und über uns zu schreiben: Die kleine Stadt Staufen im Breisgau droht nach Erdwärmebohrungen tief unter ihren Mauern langsam auseinander zu brechen. Es sind Begegnungen von Verzweifelten, die die Hoffnung auf die Katastrophe eint. Archiv der Erschöpfung inszeniert Daniel Foerster, Regieabsolvent der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg.

REGIE

Daniel Foerster
BÜHNE

Theresa Steinert
KOSTÜME

Nathalie Himpel

Juliane Molitor
DRAMATURGIE

Marie Senf

MIT

ANDERS / BAUDEZERNENT / STEINRIESE

Orlando Klaus
MUTTER / BAUDEZERNENT / MASCHA / WINZLING / WELTUNTERGANGSFANATIKER / AZUBINE

Marie Bauer
OMA / GUTACHTER / FLEDERMAUS / WELTUNTERGANGSFANATIKER / ÄRZTIN / SACHBEARBEITERIN

Rébecca Marie Mehne
VATER / BRUDER / BAUDEZERNENT / FRANK RAKETE / VERLEGER / MONDMANN / WELTUNTERGANGSFANATIKER

Dennis Pörtner

Pressestimmen

„Der Autor verdrillt feine Handlungsfäden, bis dicke Stränge daraus werden, die er wiederum zu einem dichten Handlungsgeflecht verwebt. Er springt ins Surreale und zurück in die Unfallklinik oder an den Küchentisch, banale Familiensituationskomik […] wächst sich zu einer Geschichte aus, bei der es um Katastrophen und deren Vertuschung geht, um zerstörte Umwelt und zerstörte Liebe, um Kindheitstraumata und Zukunftsperspektiven . Durch Witz, Tempo und Tiefe durchdringen sich die Ebenen, und Daniel Foerster hat das rasant auf die Bühne gebracht, auch dank des brillanten Ensembles aus Marie Bauer, Rébecca Marie Mehne, Dennis Pörtner und Orlando Klaus. Sie legen erst eine bravbürgerliche Einrichtung (Bühne: Theresa Steinert) in Trümmer, dann rattert eine rasante Familienschrulle los. Doch auch tiefgründige Geschichten von Verlust, Zerfall und Orientierungslosigkeit bekommen ihren Raum. Virtuos drückt das Quartett in bizarren Albträumen aufs Tempo, spielt einen melancholischen American Dream ruhig aus, hängt einen bizarren Science-Fiction-Epilog daran, der schließlich ins Licht führt […].“ 

Theater der Zeit, 10/2015

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