Eleos. Eine Empörung in 36 Miniaturen (UA)

Caren Jeß

eingeladen zu den Autor:innentheatertagen 2022 am Deutschen Theater Berlin

Daria von Loewenich, Raphael Muff, Timo Neubauer, Sarah Sophia Meyer © Lex Karelly
Daria von Loewenich, Raphael Muff, Timo Neubauer, Sarah Sophia Meyer © Lex Karelly

press to zoom
Alexej Lochmann, Oliver Chomik, Raphael Muff © Lex Karelly
Alexej Lochmann, Oliver Chomik, Raphael Muff © Lex Karelly

press to zoom
Ensemble © Lex Karelly
Ensemble © Lex Karelly

press to zoom
Daria von Loewenich, Raphael Muff, Timo Neubauer, Sarah Sophia Meyer © Lex Karelly
Daria von Loewenich, Raphael Muff, Timo Neubauer, Sarah Sophia Meyer © Lex Karelly

press to zoom
1/15

PREMIERE AM 04. NOVEMBER  2021

Eleos und phobos, Furcht und Mitleid, sind die kathartischen Effekte, die ein tragisches Stück hervorrufen soll, auf dass der Mensch nach dem Theaterbesuch sittlich gereinigt in seine Realität zurückkehre. Neuere Übersetzungen sprechen vom Jammern und Schaudern, was schon weniger edel klingt, vielmehr hinabführt in die Niederungen allzumenschlicher Zuständlichkeiten.

„Or!“ Dieser Ausruf der Missstimmung sei „eine der am häufigsten gebrauchten Interjektionen unserer Zeit“. Denn wir glauben zwar nicht mehr an die Katharsis, sehnen sie aber herbei, weil wir uns nicht mehr aufregen müssten, wenn wir erst rein wären, vermutet die Autorin Caren Jeß, wohl wissend, wie nah Tragödie und Komödie beieinander liegen.

Ihr kathartisches Kurstück (sic!) beschreibt in 36 formal und stilistisch höchst unterschiedlichen kurzen Szenen Gefühlslagen zwischen Niedergeschlagenheit und Jammerei, Angst und Wut, Gewalt und Hass. Ohne sich auf eine politische Agenda oder ein billiges Freund-Feind-Schema festzulegen, ohne den Zeigefinger zu erheben und auf das zu deuten, was in dieser Welt vermeintlich geht oder eben nicht (mehr) geht, seziert sie mit poetischer Einfühlsamkeit und sprachlicher Virtuosität die Empörung an sich. Sie findet Beispiele für die Mechanismen und Kettenreaktionen dahinter und erzählt zutiefst menschenfreundliche Geschichten über hochzivilisierte Individuen am Endpunkt. Jenem Punkt, an dem die Figuren, „sie sind niemand und alle“, nicht mehr weiterkönnen oder -wissen, weinend wimmern oder siegesgewiss lächelnd nach unten treten, sich sadistischer Gewalt hingeben oder in Wutstarre verharren.

Ihre musikalisch-wortakrobatische Partitur wird auf die Bühne gebracht von Daniel Foerster, der zuletzt Ferdinand Schmalz’ „jedermann (stirbt)“ inszenierte, zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und von ORF III in der Reihe „Wir spielen für Österreich“ verfilmt. „Eleos“ ist nach ihrem zu den Mülheimer Theatertagen eingeladenen „Bookpink“ bereits die zweite Uraufführung der norddeutschen Autorin in Graz.

REGIE

Daniel Foerster

BÜHNE & KOSTÜME

Mariam Haas
Lydia Huller
Robert Sievert

MUSIK

Jan Preißler

VIDEO

Simon Baucks

DRAMATURGIE

Franziska Betz

MIT

Henriette Blumenau
Daria von Loewenich
Sarah Sophia Meyer
Oliver Chomik
Nico Link
Alexej Lochmann
Raphael Muff
Susanne Konstanze Weber

LIVE-KAMERA

Timo Neubauer

Pressestimmen:

„Der klangmalerisch und virtuos komponierte Text verleitete, so ließe sich vermuten, zu puristischer Interpretation, jedoch: Regisseur Daniel Foerster interessiert genau das gar nicht. Und das ist gut so. Wo Jeß gewitzte Sprachmusik gezaubert hat, […] spinnt Foerster diese weiter und legt – mitunter mehr mitteilsam als poetisch – in jeder dieser Miniaturen einen pointierten Mini-Plot frei.“

(Theater der Zeit, Hermann Götz, Dezember 2021)

„In der Mythologie ist Eleos aber auch Personifikation des Mitleids. Jammerei und Misericordias – nicht ganz daneben als Bedeutungspaar. Die Mythologie greift Daniel Foerster, Regisseur der Grazer Uraufführung, auf. Er führt uns Götter vor. Eher Halb- oder Viertelgötter. Göttern gleich jedenfalls basteln sie in einer Wellness-Umgebung am schönen Schein, am gesellschaftlich properen Selbstbild. So sehr sie auch alles rundherum nervt, so krass die Gespräche danebengehen – wenn sich die Kamera nähert, machen sie ein Pokerface, feixen vor scheinbarem Glück. Und die Kamera ist immer gegenwärtig. Timo Neubauer, der sie führt, ist eigentlich Hauptperson in einem beispiellos atemlosen, aber minutiös synchronisierten Spektakel. […] Was die acht Darstellerinnen und Darsteller leisten, ist gewaltig. Es herrscht ja sagenhaft viel Turbulenz auf kleinstem Raum, und doch finden immer die richtigen Leute zusammen oder durchs richtige Türl hinein und heraus. Es wird heftig gerappt, getanzt, geturnt. Die Musik ist allgegenwärtig, das legt die Musikalität von Caren Jeß‘ Sprache nahe. Die Exaltiertheit, die Grimasse – das hat System, ist Stilmittel.“ (nachtkritik.de, Reinhard Kriechbaum, 05.11.2021)

„Klein, aber fein ist ‚Eleos. Eine Empörung in 36 Miniaturen‘ von Caren Jeß […]. Der junge Regisseur Daniel Foerster entdeckt darin vor allem viel Humor. Er verortet die kapriziöse Sprachpartitur ganz konkret in einem Wellnesstempel, in dem er ein spielfreudiges Ensemble aus acht Schauspielerinnen und Schauspielern sich als grell überschminkte griechische Gottheiten aufführen lässt.“ (Süddeutsche Zeitung / sz.de, Christine Dössel, 09./10.11.2021)

„[Caren] Jeß hat gewitzte Sprachmusik gezaubert, […] [Daniel] Foerster spinnt diese weiter und legt – mehr mitteilsam als poetisch – in jeder Miniatur einen pointierten Plot frei. […] Dabei setzt sich das große und grandios spielwütige Ensemble in jeder Szene in Szene, als wär’s seine letzte. So werden auf dem wut-roten Faden theatrale Miniaturen aufgefädelt, die in Summe funktionieren wie Tiktok-Kunst: Sie machen süchtig.“ (Kleine Zeitung, Hermann Götz, 06.11.2021)

„Daniel Foerster verstärkt den ohnehin starken Text mit seiner Inszenierung, indem er die Figuren zu Gottheiten ihrer eigenen Unzulänglichkeiten macht, die in ihrer Wellness-Welt stets nach der Kamera suchen, um sich selbst und ihre Wut inszenieren zu können. Ein tolles Ensemble macht diesen Abend zu einem rundum gelungenen Theatererlebnis!“ (Kronen Zeitung / krone.at, Christoph Hartner, 06.11.2021)